Kräutergärten haben in Mitteleuropa schon lange Tradition. Ein von Abt Wahlfrid Strabo (808 bis 849) um 825 im Benediktinerkloster auf der Insel Reichenau im Bodensee angelegter Garten existiert heute noch.
Obwohl die Arzneipflanzen in diesem und in anderen Klostergärten in erster Linie medizinischen Zwecken dienten, waren sie doch auch immer Orte des Lehrens und der Wissensbewahrung. In der Renaissance gab es erste Schaugärten, wie in Leiden (Holland), in denen 1610 über 300 Arzneipflanzen zu sehen waren. Nachdem, bedingt durch die zu Paracelsus Zeiten immer stärker aufkommende "chemische Arznei", die Pflanzenheilkunde an Ansehen verloren hatte, gelang es unter anderem auch Pfarrer Kneipp, die Arzneipflanzen wieder in das Gedächtnis der Menschen zu bringen. Sein Anliegen war es, damals auch den Armen, mit den "früher geachteten, jetzt vielfach verachteten, spottbilligen Heilkräutern, welche der liebe Herrgott wachsen lässt", eine erschwingliche Behandlung zu ermöglichen.
Heute ist die Pflanzenheilkunde wieder fest in der modernen Medizin etabliert. Durch zahlreiche Neben- und Wechselwirkungen chemischer Arzneimittel und das Fehlen adäquater chemischer Alternativen wird heute immer mehr Geld in die Heilpflanzenforschung gesteckt. Hochwirksame Arzneimittel sind aus Pflanzen isoliert worden und werden in der Therapie eingesetzt, wie z. B. das Taxol, ein Wirkstoff aus einer Eibenart, das zur Behandlung von Brustkrebs mit Erfolg eingesetzt wird.